Das Wichtigste in Kürze

  • Vorlauf statt Baujahr

    Eine Wärmepumpe braucht eine tiefe Vorlauftemperatur. Die Bodenheizung ist nur ein Weg dorthin – grosse Heizkörper sind ein anderer.
  • Selbst testen

    Mit dem Heizkurven-Test an Ihrer bestehenden Öl- oder Gasheizung finden Sie in drei bis sechs Wochen heraus, welchen Vorlauf Ihr Haus wirklich braucht.
  • Gezielt nachbessern

    Meist bremsen nur ein oder zwei zu kleine Heizkörper das ganze Haus. Werden diese ersetzt, sinkt der Vorlauf für alle Räume.
  • Warmwasser separat denken

    Warmwasser braucht mehr Temperatur als die Heizung. Ein Wärmepumpenboiler oder eine Frischwasserstation hält die Heizung im sparsamen Bereich.

Warum zählt die Vorlauftemperatur mehr als das Baujahr?

Eine Wärmepumpe erzeugt keine Wärme, sie hebt vorhandene Wärme auf ein höheres Niveau – und dieser Hub kostet Strom. Je tiefer der Vorlauf, desto weniger Arbeit für das Gerät. Als Faustregel sparen Sie rund 2–3 % Strom je Grad tieferer Vorlauftemperatur; das Bundesamt für Energie nennt rund 8 % für 5 Grad. Zehn Grad weniger bedeuten so jedes Jahr spürbar tiefere Stromkosten.

Viele Altbauten haben neue Fenster, ein gedämmtes Dach oder eine gedämmte Kellerdecke erhalten, während die Heizkörper aus den 1970er-Jahren geblieben sind. Diese wurden für 90 °C ausgelegt und sind heute oft überdimensioniert. Deshalb werden viele Häuser schon mit 45 bis 55 °C warm. Die Wärmepumpen der Energieetikette sind für 35 °C (Niedertemperatur) oder 55 °C (Standard) ausgelegt; einzelne Geräte schaffen bis 65 °C, dann sinkt aber die Effizienz deutlich.

Mit sehr grossen Heizflächen wie einer Bodenheizung realisieren wir Systeme, die an milden Tagen mit nur 26 °C laufen. Für Heizkörper ist das kein Ziel – aber es zeigt: Ein Haus, das am kältesten Tag 50 °C braucht, läuft im November vielleicht mit 32 °C.

So testen Sie die Vorlauftemperatur Ihres Hauses

Der Test kostet nichts ausser etwas Geduld. Er funktioniert mit praktisch jeder Öl- oder Gasheizung ab den 1990er-Jahren; am besten starten Sie im Herbst. Lassen Sie dabei die Warmwassertemperatur unverändert und schalten Sie die Nachtabsenkung für die Testdauer aus.

  1. Ausgangswert festhalten

    Heizkurve oder maximale Vorlauftemperatur an der Steuerung ablesen und fotografieren. Oft stehen dort noch 70 oder 80 °C.

  2. Thermostatventile ganz öffnen

    Der Test misst, was die Heizkörper können – nicht, was gedrosselte Ventile durchlassen.

  3. In 5-Grad-Schritten absenken

    Zuerst die Steilheit der Heizkurve reduzieren. Nach jedem Schritt drei bis vier Tage warten – Gebäude reagieren träge.

  4. Raumtemperaturen notieren

    In jedem Raum ein Thermometer, immer zur gleichen Tageszeit ablesen, Aussentemperatur dazuschreiben.

  5. Den kritischen Raum finden

    Absenken, bis der erste Raum nicht mehr warm wird – meist ein Eckzimmer, das Bad oder ein ausgebautes Dachzimmer.

  6. Wert an einem kalten Tag sichern

    Einen Schritt zurück: Die tiefste Einstellung, bei der alle Räume warm blieben, ist Ihr Ergebnis – immer zusammen mit der Aussentemperatur.

Was Ihr Ergebnis bedeutet

Tiefste Vorlauftemperatur, bei der an einem kalten Tag noch alle Räume warm werden:

VorlauftemperaturBeurteilung
bis 40 °CSehr gute Voraussetzungen, nahe am Niedertemperatur-Bereich. Keine Massnahmen nötig.
41–50 °CDer Normalfall im teilsanierten Altbau. Eine Wärmepumpe ist ohne Weiteres einsetzbar.
51–55 °CMachbar mit einer Standard-Wärmepumpe. Der Ersatz einzelner Heizkörper und ein hydraulischer Abgleich lohnen sich meist.
über 55 °CVor dem Heizungsersatz Gebäudehülle und Heizkörper analysieren. Häufig sind wenige Einzelstellen die Ursache.

Werden mehrere Räume zu kühl, während andere überheizt sind, fehlt meist der hydraulische Abgleich – nicht Heizfläche. Übrigens: Die tiefere Einstellung spart schon mit Ihrer heutigen Heizung Energie.

Welche Massnahmen den Vorlauf senken – und was sich lohnt

Geordnet nach Wirkung im Verhältnis zum Aufwand:

  • Einzelne Heizkörper ersetzen

    Der grösste Hebel: Zu kleine Heizkörper werden durch grossflächige Niedertemperatur-Typen ersetzt. Das behebt genau die Engstelle, die den Vorlauf bestimmt.
  • Hydraulischer Abgleich

    Geringer Aufwand, sofortige Wirkung: Die Wärme kommt in allen Räumen gleichmässig an.
  • Estrichboden und Kellerdecke dämmen

    Das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis an der Gebäudehülle – und förderberechtigt.
  • Fenster und Fassade

    Wirkt stark, kostet aber ein Vielfaches. Sinnvoll, wenn Fenster oder Fassade ohnehin am Ende ihrer Lebensdauer sind.

Ein Komplettumbau auf Bodenheizung – neuer Bodenaufbau, angepasste Türen, Wochen ohne Nutzung – ist in den meisten Altbauten weder nötig noch wirtschaftlich.

Warum das Warmwasser oft das eigentliche Temperaturproblem ist

Warmwasser muss aus hygienischen Gründen das ganze Jahr wärmer sein als das Heizungswasser – je nach Anlage 55 bis 60 °C am Speicher. Lädt die Heizungswärmepumpe den Speicher selbst, muss sie zeitweise so hoch, auch wenn Ihr Haus für die Heizung nur 45 °C braucht.

Zwei Lösungen trennen das: ein separater Wärmepumpenboiler, während die Heizungswärmepumpe im sparsamen Niedertemperatur-Betrieb bleibt, oder eine Frischwasserstation, die das Wasser erst beim Zapfen erwärmt. Wir legen Ihre Anlage so aus, dass Hygiene und Effizienz zusammenpassen. Was bei der Hygiene gilt, lesen Sie im Ratgeber Legionellen und Trinkwarmwasser.

Was im Altbau zusätzlich anfällt

Die Richtwerte für die Vollkosten einer Wärmepumpe im Einfamilienhaus finden Sie im Systemvergleich. Im Altbau kommen vier Positionsgruppen dazu:

  • Hydraulik und Heizkörper

    Ersatz einzelner Heizkörper, hydraulischer Abgleich, neue Umwälzpumpe, je nach Zustand Spülung und Korrosionsschutz.
  • Rückbau der alten Anlage

    Demontage des Kessels, Reinigung und Rückbau des Öltanks mit Entsorgung oder Stilllegung des Gasanschlusses.
  • Kamin

    Verschliessen oder zurückbauen – bleibt ein Cheminée oder Holzofen in Betrieb, braucht es unter Umständen ein Innenrohr.
  • Elektroanschluss

    Prüfung von Hausanschluss und Absicherung, Anmeldung beim Netzbetreiber; bei Aussenaufstellung Fundament, Kondensatableitung und Kernbohrungen.

Wie hoch diese Kosten ausfallen, hängt stark vom Haus ab – seriös beziffern lässt es sich erst nach einer Besichtigung. Wir kommen gerne vorbei.

Wo eine Wärmepumpe im Altbau an Grenzen stösst

Schwierig wird es bei einer sehr schlechten Gebäudehülle unter Denkmalschutz: Sind weder Dämmung noch neue Fenster erlaubt, bleibt der Vorlauf flächig hoch, und einzelne neue Heizkörper helfen nur begrenzt. Auch ein fehlender Aufstellungsort oder enge Bebauung mit heikler Lärmsituation schränken die Auswahl ein.

Dann prüfen wir mit Ihnen Alternativen: eine Erdsonde, einen Fernwärmeanschluss, eine Holzheizung oder eine Kombination aus erneuerbarer Grundlast und Spitzenlastkessel. Lärmschutz und Erdsonden-Bewilligung erklären wir im Ratgeber Luft/Wasser oder Erdsonde?, die kantonalen Vorschriften beim Heizungsersatz im Ratgeber Heizungsersatz im Kanton St.Gallen.

So unterstützen wir Sie

Von der Auswertung Ihres Tests bis zur laufenden Wärmepumpe.

  • Impulsberatung

    Klarheit vor dem Entscheid.

    Wir schauen uns Haus und Heizkörper vor Ort an und zeigen Ihnen die realistischen Varianten.

  • Heizungsersatz

    Kurz ohne Wärme.

    Rückbau, Hydraulik, Heizkörper und Inbetriebnahme aus einer Hand.

  • Wärmepumpe

    Die passende Wärmequelle.

    Wir legen die Wärmepumpe auf die Vorlauftemperatur aus, die Ihr Haus wirklich braucht.

Ihr Ansprechpartner für Sanierungen

  • Stefan Scherrer, Leiter Sanierungen bei der Fürer AG

    Stefan Scherrer

    Leiter Sanierungen

    Heizungsinstallateur EFZ Zertifizierter Impulsberater

    071 858 20 10

Häufige Fragen

In der Regel nicht. Meist bestimmen ein oder zwei zu kleine Heizkörper die Vorlauftemperatur des ganzen Hauses. Werden gezielt diese ersetzt, sinkt der Vorlauf für alle Räume.

Für eine erste Einschätzung lesen Sie an einem kalten Tag die Vorlauftemperatur im Heizraum ab: Zeigt die Anlage bei –5 °C aussen 65 °C, ist die Ausgangslage eine andere als bei 45 °C. Den Test ersetzt das nicht, es ordnet die Grössenordnung aber ein.

Beheben Sie sie vor dem Test: Anlage entlüften, Druck prüfen, oben kalte Heizkörper melden. Sonst fällt das Ergebnis zu pessimistisch aus. Gerne übernehmen wir das für Sie.

Ja. Auch ein Öl- oder Gaskessel hat bei tieferem Vorlauf weniger Verluste. Die Einstellung spart also schon vor dem Heizungsersatz Energie.

Ja, im Kanton St.Gallen wird eine Luft/Wasser-Wärmepumpe bis 20 kWth mit CHF 2'800 gefördert, auch die Dämmung einzelner Bauteile wird unterstützt. Das Gesuch muss vor Baubeginn eingereicht sein. Details im Ratgeber zu den Fördergeldern.

Ihr Vorhaben in guten Händen

Sie haben den Heizkurven-Test gemacht oder möchten ihn mit uns angehen? Wir werten Ihre Werte aus und zeigen Ihnen, was Ihr Haus für eine Wärmepumpe braucht. Telefon 071 858 20 10.

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