Das Wichtigste in Kürze

  • Kein Verbot im Bestand

    Ihre bestehende Öl- oder Gasheizung darf weiterlaufen. Die Vorschrift greift erst, wenn Sie den Wärmeerzeuger ersetzen.
  • Minus 10 Prozent fossil

    Beim Ersatz muss der fossile Energiebedarf um 10 Prozent sinken. Wie, entscheiden Sie – meist über eine der elf Standardlösungen.
  • Rund 60 Prozent sind befreit

    Baubewilligung ab 1991, Minergie, GEAK-Klasse D oder besser: Dann wählen Sie die Heizung frei.
  • Rechtzeitig planen

    Baugesuch, Energienachweis und Fördergesuch brauchen Zeit. Wer eine Heizsaison im Voraus beginnt, bestimmt den Zeitpunkt selbst.

Darf ich meine Ölheizung wieder durch eine Ölheizung ersetzen?

Ja. Das Energiegesetz des Kantons St.Gallen kennt kein generelles Verbot von Öl- und Gasheizungen. Es verlangt beim Ersatz des Wärmeerzeugers nur, dass der Bedarf an fossiler Energie um 10 Prozent sinkt. Eine neue Ölheizung ist also möglich, wenn gleichzeitig eine Massnahme diese Reduktion bringt – etwa Sonnenkollektoren, ein Wärmepumpenboiler mit Photovoltaik oder eine Dachdämmung.

Damit Sie nicht selbst rechnen müssen, hat der Kanton elf Standardlösungen festgelegt. Acht davon arbeiten weiterhin ganz oder teilweise mit Öl oder Gas. Ob die Pflicht für Ihr Haus überhaupt gilt, beurteilt die Standortgemeinde – wir klären das im Rahmen der Planung für Sie ab.

Ist Ihr Haus überhaupt betroffen?

Nur rund 40 Prozent der Wohngebäude im Kanton fallen unter die Standardlösungspflicht. Befreit sind:

  • Baubewilligung ab 1991

    Diese Gebäude erfüllen bereits einen energetischen Mindeststandard.
  • Minergie-Bauten

    Zertifizierte Gebäude sind befreit, unabhängig vom Baujahr.
  • GEAK-Klasse D oder besser

    Der wichtigste Hebel: Ein freiwillig erstellter GEAK kann die Pflicht entfallen lassen.
  • Bereits umgesetzte Lösung

    Wer früher eine Solaranlage gebaut oder gedämmt hat, erfüllt die Anforderung unter Umständen schon.

Bei älteren, unsanierten Häusern lohnt sich deshalb zuerst ein GEAK Plus mit Beratungsbericht: Erreicht das Haus Klasse D, entfällt die Pflicht – sonst liefert der Bericht die Grundlage für die Systemwahl.

Welche Standardlösung passt zu Ihrem Haus?

Wer eine der elf Standardlösungen umsetzt, erfüllt die Anforderung ohne weiteren Nachweis. Unsere Einschätzung für das typische Einfamilienhaus:

StandardlösungKernanforderungEinschätzung aus der Praxis
1 – SonnenkollektorenFläche mind. 2 % der EnergiebezugsflächeSinnvoll bei gut ausgerichtetem Dach. Die Heizung selbst bleibt fossil.
2 – HolzfeuerungHolz deckt die GrundlastRealistisch mit Lagerraum, Zufahrt und Kamin.
3 – Elektro-WärmepumpeDeckt Heizung und WarmwasserDie häufigste und am besten geförderte Lösung – vollständig erneuerbar.
4 – Erdgas-WärmepumpeWirkungsgrad mind. 120 %Im Einfamilienhaus praktisch bedeutungslos.
5 – FernwärmeAnschluss an ein WärmenetzSehr attraktiv, wenn ein Netz vor dem Haus liegt.
6 – Wärmekraftkopplungmind. 60 % WärmedeckungFür grössere Liegenschaften und Areale.
7 – Wärmepumpenboiler + PhotovoltaikWarmwasser ganz über Wärmepumpenboiler, PV mind. 5 Wp/m²Häufig neben einer neuen fossilen Heizung gewählt; technisch einfach.
8 – Fensterersatzmind. 90 % der Fenster auf U ≤ 0.7Sinnvoll, wenn neue Fenster ohnehin anstehen.
9 – WärmedämmungFassade, Dach oder Estrichboden auf U ≤ 0.2Senkt den Bedarf dauerhaft, kostet aber entsprechend.
10 – Bivalentes SystemErneuerbare Grundlast mind. 25 % der LeistungZwischenschritt bei schlecht gedämmten Bauten – zwei Systeme im Unterhalt.
11 – Wohnungslüftung mit WärmerückgewinnungWirkungsgrad mind. 70 %Im Bestand meist nur bei einer Totalsanierung realistisch.

In der Praxis bleiben meist die Wärmepumpe, Fernwärme (wo verfügbar), Wärmepumpenboiler mit Photovoltaik und Holz. Fenster und Dämmung überzeugen, wenn sie ohnehin fällig sind – als reine Pflichterfüllung sind sie die teuerste Variante.

Wenn keine Standardlösung passt

Für besondere Fälle sieht der Kanton zwei Wege vor. Beide sollten Sie vor Baubeginn mit der Gemeinde klären.

  • «St.Galler Lösung»

    Erneuerbarer Brennstoff statt Umbau.

    Die fossile Heizung darf weiterlaufen, wenn mindestens 20 Prozent erneuerbares Gas oder Öl eingesetzt werden – nachgewiesen über Zertifikate oder eine Liefervereinbarung für 20 Jahre. Keine Baustelle, aber eine lange Bindung an einen Brennstoffmarkt mit offener Preisentwicklung, und Förderbeiträge gibt es dafür keine. Sinnvoll vor allem bei sehr hohen Vorlauftemperaturen, absehbarem Abbruch oder schwieriger Aufstellsituation.

  • Härtefall

    Wenn die Pflicht unverhältnismässig ist.

    Die Anforderung entfällt bei bevorstehendem Abbruch, bei bevorstehender Totalsanierung oder wenn die konforme Lösung mehr als das Dreifache eines 1:1-Ersatzes kostet. Verglichen werden die Gesamtkosten inklusive Hydraulik, Elektro, Rückbau und Wärmeabgabe. Wir stellen Ihnen die Vergleichsrechnung für die Gemeinde zusammen.

So läuft Ihr Heizungsersatz ab

Von der ersten Abklärung bis zur fertigen Anlage. Am meisten Zeit braucht meist der Entscheid – danach geht es zügig.

  1. Bestandsaufnahme

    Wir prüfen Heizung, Verteilung, Wärmeabgabe, Warmwasser, Kamin, Öltank, Platz und Elektroanschluss – und klären Baujahr und GEAK, also ob die Standardlösungspflicht überhaupt greift.

  2. Impulsberatung

    Die neutrale Impulsberatung «erneuerbar heizen» vor Ort ist für Sie kostenlos und zeigt, welche erneuerbaren Wärmequellen in Frage kommen. Wir bieten sie an.

  3. Systemwahl und Offerte

    Wir legen die Lösung und die Leistung fest und erstellen eine vollständige Offerte – mit den nötigen Abklärungen zu Lärmschutz oder Erdsonde.

  4. Fördergesuch vor Baubeginn

    Das Gesuch muss eingereicht und zugesichert sein, bevor gebaut wird – sonst entfällt der Beitrag. Beträge und Ablauf finden Sie im Artikel zu den Fördergeldern.

  5. Baugesuch und Energienachweis

    Der Heizungsersatz braucht grundsätzlich eine Baubewilligung. Die Gemeinde genehmigt den Energienachweis vor Baubeginn; je nach System kommen Lärmschutznachweis oder Erdsondenbewilligung dazu. Wir stellen die Unterlagen zusammen.

  6. Ausführung

    Rückbau der alten Anlage samt Tank, Einbau, Anpassung von Hydraulik und Elektro, Inbetriebnahme, Einregulierung und Einführung für Sie.

  7. Abschluss und Auszahlung

    Mit der Abschlussmeldung und den Belegen wird der Förderbeitrag ausbezahlt.

Jetzt handeln oder auf neue Vorschriften warten?

Die Kantone haben sich auf neue Mustervorschriften geeinigt: Beim Ersatz einer fossilen Heizung soll künftig ein erneuerbares System eingebaut werden. Im Kanton St.Gallen gilt aber weiterhin die 10-%-Regel mit den elf Standardlösungen – verbindlich wird Neues erst mit einer Änderung des kantonalen Energiegesetzes, und der Zeitplan dafür ist offen.

Abwarten bringt trotzdem wenig. Eine Wärmepumpe erfüllt schon heute jede absehbare Anforderung. Und bei einem Defekt entscheidet nicht der Kalender, sondern das Gerät: Beim Notersatz im Winter fällt das Fördergesuch oft weg, die Auswahl reduziert sich auf das Lieferbare, und häufig wird 1:1 ersetzt – für die nächsten 15 bis 20 Jahre.

Planen Sie den Ersatz deshalb ausserhalb der Heizsaison und mit mindestens einer Heizperiode Vorlauf. Dann lassen sich Systeme vergleichen, Gesuche ohne Zeitdruck einreichen und die Arbeiten in eine warme Woche legen.

So unterstützen wir Sie

Von der Abklärung bis zur laufenden Anlage – aus einer Hand.

  • Impulsberatung

    Klarheit vor dem Entscheid.

    Wir zeigen Ihnen vor Ort, welche erneuerbaren Lösungen für Ihr Haus realistisch sind.

  • Heizungsersatz

    Gesuche, Ausführung, Inbetriebnahme.

    Wir klären die Vorschriften mit der Gemeinde, stellen Gesuche und Nachweise zusammen und bauen die neue Anlage ein.

  • Wärmepumpe

    Die passende Wärmequelle.

    Luft, Erdsonde oder Grundwasser – wir klären, was bei Ihnen möglich ist.

  • Notfall

    Wenn die Heizung ausfällt.

    Unser Kundendienst ist an 365 Tagen im Jahr für Sie da.

Ihr Ansprechpartner für Sanierungen

  • Stefan Scherrer, Leiter Sanierungen bei der Fürer AG

    Stefan Scherrer

    Leiter Sanierungen

    Heizungsinstallateur EFZ Zertifizierter Impulsberater

    071 858 20 10

Häufige Fragen

Ja, der Heizungsersatz braucht im Kanton St.Gallen grundsätzlich eine Baubewilligung. Der Energienachweis wird mit dem Baugesuch eingereicht und muss vor Baubeginn genehmigt sein; für kleinere Vorhaben gelten vereinfachte Nachweise. Die Formulare sind je nach Gemeinde verschieden – wir stellen die Unterlagen für Sie zusammen.

Von der ersten Information bis zur fertigen Anlage vergehen im Durchschnitt rund zwei Jahre – das meiste davon ist Entscheidungszeit. Systemwahl, Offerten und Fördergesuch brauchen ein bis zwei Monate, die Bewilligung variiert je nach Gemeinde. Die Montage einer Wärmepumpe im Einfamilienhaus dauert wenige Tage.

Ab rund 15 Jahren Betriebsdauer lohnt es sich, den Ersatz zu planen. Lieferfristen für Wärmepumpen schwanken je nach Fabrikat und Saison – wer vor dem Defekt plant, behält die Wahl.

Für ein Einfamilienhaus rechnet EnergieSchweiz mit Vollkosten von CHF 45'000 bis 60'000 für eine Luft/Wasser-Wärmepumpe und CHF 55'000 bis 80'000 mit Erdsonde – inklusive Rückbau, Hydraulik, Elektro und Inbetriebnahme. Den Vergleich über 20 Jahre finden Sie im Artikel «Luft/Wasser oder Erdsonde?», die Förderbeiträge unter Zahlen und Förderung.

Die Standortgemeinde. Sie beurteilt, ob die Standardlösungspflicht greift, genehmigt den Energienachweis und entscheidet über einen Härtefall. Wir klären diese Fragen für Sie, bevor die Arbeiten beginnen.

Nein. Die Förderbeiträge gelten für Wärmepumpen, Holzfeuerungen, Dämmung und Modernisierungskonzepte, nicht für den Weiterbetrieb einer fossilen Anlage mit Zertifikaten.

Ihr Vorhaben in guten Händen

Sie möchten wissen, ob die Standardlösungspflicht für Ihr Haus gilt und welche Lösung sich rechnet? Wir klären es für Sie – Telefon 071 858 20 10.

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